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    WDR 3 Musikpassagen, Ausschnitte vom 28.08.2007 und 26.10.2007

    WDR 3 Musikpassagen, Ausschnitte vom 08.10.2007

bansuri -bambusflöte

Der Nordindische Begriff für diese Flöte ist Bansuri. Die Flöte hat viele Gemeinsamkeiten mit der menschlichen Stimme, beide haben einen Tonumfang von zweieinhalb Oktaven.

Die wichtigste Gemeinsamkeit ist der Atem, das Mittel für Klangproduktion und Ausdrucksqualität. Trotz ihrer Einfachheit können auf der Bambusflöte alle der feinen glissandi, dynamischen Kontraste, Verzierungen und tonalen Variationen, die in der indischen
Musik essentiell sind, realisiert werden.
 
Die Bansuri nimmt eine zentrale Stellung in der Indischen Kultur ein. Sie wird mit dem Flöte spielenden Lord Krishna assoziiert, der
mythologischen Reinkarnation des Hindu Gottes Vishnu. Hier könnten wir Parallelen zur europäischen Legende des Orpheus sehen.
 

die musik

Die Basis Indischer Musik ist das melodische Ragasystem, auf einer Flöte oder einem anderen Melodieinstrument gespielt, das rhythmische System des Tala, gespielt auf der Tabla, einem mit den Händen gespielten Trommelpaar und dem Bordun, welcher die Grundlage bildet, gespielt auf der Tanpura, einem gezupften Saiteninstrument, welches kontinuierlich im Hintergrund eine Art Klangteppich bildet.
 
Ein Raga hat eine einzigartige melodische Struktur mit Möglichkeiten zur Variation und Improvisation. Das Wort Raga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie “Farbe”.
Raga ist eine musikalische Ausdrucksform, der die Kraft nachgesagt wird, die innere Stimmung seiner Zuhörer verändern zu können.
Jeder Raga hat seine ganz individuelle Persönlichkeit.
 
Der erste Teil des Raga steht in freiem Metrum. Er ist eine Art Einführung, in welchem der Raga nach und nach vorgestellt wird und seine Schönheit und Subtilität entfaltet. In diesem sehr melodischen Teil wird die Nähe zur Vokalmusik (durch seine delikaten Verzierungen und glissandi) deutlich. Nach der Exposition des Raga kommt die Tabla (ein mit den Händen gespieltesTrommelpaar) hinzu und ab jetzt werden Raga und Tala miteinander verbunden. Der Begriff Tala bezeichnet einen Rhythmuszyklus mit einer bestimmten Anzahl von Schlägen, die zu Gruppen zusammengefügt werden. Die Kompositionen stehen in unterschiedlichen Rhythmuszyklen von 7,9,10,12 oder 16 Schlägen, in mittlerem oder schnellem Tempo. Die Tempi werden innerhalb eines Ragas kontinuierlich gesteigert.

raga

Im Sanskrit heißt "Ranjayathi iti Ragah" übersetzt so viel wie „das, was den Geist färbt“. Die Musik, die den Geist des Zuhörers färbt, wird einerseits durch die Töne und Verzierungen hervorgerufen, andererseits durch ein bestimmtes Gefühl, das die Musik ausdrückt. Jede menschliche Emotion, jedes subtile Gefühl in Mensch und Natur kann musikalisch ausgedrückt und erfahren werden. Romantik & Erotik, Humor, Pathos, Wut, Heldenhaftigkeit, Angst, Ekel, Verwunderung und Frieden sowie Ruhe, Hingabe und Begeisterung sind die Hauptemotionen.
 
In indischer Musik gibt es eine enge Verbindung zwischen Mensch und Natur. Abhängig von der Kreativität und der Natur des Künstlers ist es einem großen Künstler möglich, die jeweilige Stimmung auf den Zuhörer zu übertragen und so mit dem Zuhörer zu kommunizieren und eine Einheit zu bilden. Die Musik kann einen emotional überwältigenden Effekt auf die Stimmung der Zuhörer und der Künstler haben.
 
Die Stimmung der Künstler, deren Charakter sowie das Temperament oder die Stimmung des Zuhörers können ebenfalls den Effekt beeinflussen.
 
Diese „Ur“Gefühle sind allgemeingültig- unabhängig von Nationalität und Hautfarbe, unabhängig von Religionszugehörigkeit. Die Sprache der Musik ist losgelöst von äußeren Zwängen und verbindet die Menschen mit dem Ursprung ihres Seins.

Tageszeiten im indischen Raga

Traditionell werden bestimmten Ragas spezielle Tages- oder Jahreszeiten zugeordnet, dies wird samay genannt. Eines der einzigartigen Charakteristiken klassischer indischer Musik ist die Zuordnung von bestimmten Tages- und Nachtzeiten zu Raga Melodien. Es wird geglaubt, dass nur in dieser Zeitspanne der Raga seine ganze Schönheit und majestätische Pracht entfalten kann. Es gibt Ragas, die nur in den frühen Morgenstunden ihre volle Blüte entfalten können; andere, die nur abends gespielt werden, während wieder andere ihren vollen Glanz nur gegen Mitternacht erhalten. Es wird gesagt, dass nur ein dementsprechend angemessener Vortrag Harmonie erzeugen kann, während ein Spielen zur falschen Zeit Disharmonie hervorrufen soll. Es gibt Musiker, die überzeugt sind, dass ein Raga zu der dem Raga vorgeschriebenen Zeit gespielt werden muss; wieder andere Musiker argumentieren, dass jeder Raga zu jeder Uhrzeit gespielt werden kann, wenn die jeweilige Stimmung des Ragas heraufbeschwört werden soll.
 
Diese Verbindung von Tageszeiten mit dem Raga basiert auf den täglichen Veränderungen, die unser Körper und Geist durchläuft und die ständigen feinen Veränderungen unterliegen und die zu unterschiedlichen Tageszeiten die verschiedensten Emotionen und Stimmungen auslösen. Je stärker die Verbindung zwischen den Tönen des Raga und dem Ausdruck einer Idee oder Emotion, desto überwältigender ist der Effekt des Raga.
 
Frühe Musikwissenschaftler waren speziell daran interessiert, den Effekt der Töne zu erforschen, inwieweit die Töne eine Auswirkung auf das menschliche Verhalten haben. Musik hatte die Kraft zu heilen, glücklich zu machen, traurig, friedlich usw. Umfassende Forschungen wurden betrieben, um diese Effekte zu untersuchen. Dies bildete die Basis der Theorien über den Zusammenhang von Zeit und Raga, der heutzutage bekannt ist.
 
In Indischer Musik wird jeder Tagesperiode dem Menschen und dessen Tagesrhythmus eine bestimmte Stimmung, Kraft oder Energie zugeschrieben. Hier finden sich Parallelen im menschlichen Körper sowie in der Natur. Dementsprechend sind die Ragas komponiert, so dass Künstler und Zuhörer die Stimmung fühlen können. Dieses Bewusstsein und die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur ist ein wesentlicher Aspekt Indischer Musik, und, abhängig von der Vorstellungskraft und Kreativität des Künstlers; ein großer Künstler kann mit dem Publikum kommunizieren und in ihnen die Stimmung des Ragas erzeugen. Die 9 Hauptemotionen sind: Shringara (romantisch, erotisch), Hasya (humorvoll), Karuna (pathetisch), Raudra (zornig), Veera (heroisch), Bhayanaka (furchtsam), Vibhatsa (entrüstet), Adbhuta (erstaunt), Shanta (friedlich). Jeder Raga wird hauptsächlich von einem dieser 9 Rasas (Gefühle) dominiert, obwohl der Künstler auch weitere, subtilere, aber weniger hervorstechende Emotionen zeigen kann.
 
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Charakter, die Natur und die Stimmung des Künstlers selbst einerseits und die des Zuhörers andererseits. Der Künstler hat die Freiheit alle Arten von Stimmungen und Atmosphären innerhalb eines Raga zu erzeugen und hervorzubringen.